Gelugpa

Grafik: Symbol für Buddhismus: Rad mit acht SpeichenNicht nur die während der Mongolenherrschaft dominierenden Sakyapa strebten nach politischer Macht in Tibet, auch die Klöster anderer Schulen suchten Einfluss in weltlichen Dingen. Zugleich wurden die Mönchsregeln mehr und mehr missachtet, und tantrische Praktiken rücken oftmals in den Vordergrund. Das rief im 15. Jahrhundert Reformbewegungen hervor.

Tsongkhapa und die Kadampa

Einer dieser Reformer war Tsongkhapa (1357-1419), der sich zum Ziel setzte, die alten Mönchsideale wieder zum Leben zu erwecken. Bevor er mit 40 Jahren in ein Kadampa-Kloster eintrat, war er schon Mönch in Klöstern anderer Schulen, unter anderem der Sakyapa.
Die Kadampa - "Schule des Rats" - wurde 1054 gegründet und basiert auf den Lehren Atishas, der im 11./12. Jahrhundert maßgeblichen Anteil an der Wiederbelebung des Buddhismus in Tibet hatte. Die Kadampa legte großen Wert auf die Mönchsdisziplin, das heißt unter anderem auf ein zölibatäres Leben und die Vermeidung von Rauschmitteln und anderen materiellen Genüssen. Der Tantra wurde nicht abgelehnt, aber hauptsächlich symbolisch verstanden und als nachgeordnetes Mittel auf dem Weg zur Erleuchtung angesehen, dem das Studium der Lehre vorangehen müsse.
Diese Ideen hat auch Tsongkhapa verfochten, so dass er im Grunde als Restaurator des tibetischen Buddhismus anzusehen ist.

Gelugpa

Als Tsonkhapa eine größere Zahl von Anhängern gewonnen hatte, gründete er 1409 mit der Errichtung des Klosters Ganden ("Freudiger Berg") seine eigene Schule. Diese bezeichnete er selbst als "Neue Kadampa", wodurch deutlich wird, dass er im Grunde eine Erneuerung bzw. Restauration der Kadampa anstrebte. Um sich von den anderen Schulen abzugrenzen, führte Tsongkhapa als Kopfbedeckung der Mönche gelbe Hüte ein. Das brachte seiner Schule schon bald den Beinamen "Gelbmützen" ein - im Unterschied zu den "Rotmützen" der anderen Schulen (Allerdings wird die von westlichen Forschern eingeführte Bezeichnung "Rotmützen" von Tibetern nicht verwendet.)
Im Lauf der Zeit setzte sich für die Neue Kadampa jedoch die Bezeichnung "Schule der Tugendhaften" (Gelugpa) durch. Die ursprüngliche Kadampa existierte nur noch bis in das 15. Jahrhundert hinein. Die von Tsongkhapa wiedererweckten Tugenden der Mönchsdisziplin und der Nachrangigkeit des Tantra - bzw. das Praktizieren des Tantra erst, nachdem der Mönch eine lange und intensive Ausbildung durchlaufen hat - bilden bis heute ein Kennzeichen der Gelugpa.

Dalai Lama

Der Dalai Lama ("Lehrer des Ozeans der Weisheit") ist für viele der Repräsentant des tibetischen Buddhismus. Dabei stammt die Bezeichnung "Dalai Lama" von den Mongolen. Sodnam Gyatso, der Vorsteher des größten zentralen Gelugpa-Klosters Ganden, erneuerte die Schutzbeziehungen zwischen Tibetern und den Mongolen, worauf diese ihm den Ehrentitel verliehen. Er wurde dann rückwirkend bis zu Gedüngrub verwewndet, der somit der erste Dalai Lama ist - und Sodnam Gyatso der dritte. Gedüngrub wiederum, Neffe von Tsongkapa, war ebenfalls Klostervorsteher von Ganden und der erste, der als Tulku der Gelupga auftrat: Er sagte seine Wiederverkörperung voraus, gleich den Karmapas der Kagyüpa.
Die Wiederverkörperung des dritten Dalai Lamas erfolgte in einem Urenkel des Mongolen Altan Khan, womit die politische Herrschaft der Gelugpa über Tibet begründet wurde; der fünfte Dalai Lama schließlich konnte den dominierenden Einfluss der Gelugpa festigen, indem er rivalisierende mongolische Fürsten besiegte und die Anerkennung des 10. Karmapa der Kagyü-Schule erlangte. Seit dieser Zeit - Mitte des 17. Jahrhunderts - ist die politische Herrschaft der Gelugpa über Tibet unumstritten.
Die Eroberung Tibets durch das kommunistische China setzte dieser Herrschaft ein Ende. Der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, musste 1959 während einer großen Erhebung des tibetischen Volkes gegen die Chinesen nach Indien fliehen, wo er in Dharamsala eine Exilregierung aufbaute und sich seitdem - weitgehend erfolglos - für die politische Autonomie Tibets und den Erhalt der tibetischen Kultur einsetzt.
Der Dalai Lama wird des Öfteren als "Gottkönig" bezeichnet. Diese irreführende Sicht stammt daher, dass hohe Würdenträger im tibetischen Buddhismus als Wiederverkörperung von Buddhas und Bodhisattvas gelten - wobei zu bedenken ist, dass es im tibetischen Buddhismus auf Grund der eigenständigen Kosmologie eine große Zahl von Buddhas und Bodhisattvas gibt. Der Dalai Lama gilt als Verkörperung des auch im Mahayana bedeutenden Avalokiteshvara, dem Bodhisattva des Mitgefühls. In Tibet wird für den Dalai Lama meist die Bezeichnung Gyalwa Rinpoche ("Kostbare Eminenz") verwendet - oder Kundun ("Anwesenheit"), im Westen bekannt durch den gleichnamigen Film von Martin Scorsese.
Das Auffinden der Wiederverkörperung eines Dalai Lama unterscheidet sich nicht von denen anderer Tulkus: Durch Ankündigungen bereits vor seinem Tod und Hinterlassenschaften gibt der noch lebende Tulku entsprechende Hinweise. Eine Findungskommission, bestehend aus geistlichen Würdenträgern, prüft mögliche Indizien, zusätzlich werden Orakel befragt und Rituale durchgeführt, in denen Visionen und Prophezeiungen auftreten, die für die Suche von Bedeutung sind. Das daraufhin ausgemachte Kind muss sich mehreren Prüfungen unterziehen, ehe es als Wiederverkörperung bestätigt wird. Es folgt die Unterweisung im Kloster. Bis zur Volljährigkeit wird das Amt des neuen Dalai Lama von einem Stellvertreter ausgeübt.

Panchen Lama

Der fünfte Dalai Lama bestimmte einen anderen bedeutenden Lehrer der Gelugpa zum künftigen geistlichen Oberhaupt Tibets und erkannte in ihm die Wiederverkörperung des Buddha Amithaba. Sein Titel ist Panchen Rinpoche ("Großer Lehrer") bzw. Panchen Lama.
Bereits im 18. Jahrhundert versuchte China, das Tibet zu seinem Protektorat gemacht hatte, den Panchen Lama als Gegenspieler des Dalai Lama aufzubauen und seine Funktion enger an das chinesische Kaiserhaus zu binden. Im kommunistischen China setzte sich dieses Ansinnen fort, führte aber letztlich nur zur Stärkung des Dalai Lama und der Unterminierung der Autorität des Panchen Lama. Viele Tibeter erkannten den 1944 in China entdeckten siebten Panchen Lama zunächst nicht an. Erst seit den 1960er Jahren verfolgt der Panchen Lama einen China-kritischen Kurs. Nach seinem Tod 1988 entbrannte ein Konflikt um die Findung des neuen Panchen Lama, da die chinesische Regierung das vom Dalai Lama erkannte Kind nicht anerkennen wollte.

Potala

Der fünfte Dalai Lama ließ in der tibetischen Hauptstadt Lhasa ein neues Hauptkloster erreichten - Potala, benannt nach dem mythischen Wohnort des Bodhisattva Avalokiteshvara. Der riesige, mit goldenen Kuppeln versehene Palast wurde zum religiösen Zentrum und zugleich zum Regierungssitz der neuen tibetischen-buddhistischen Herrscher. Er ist heute das Sinnbild der tibetischen Kultur, die sich gegen die zunehmende Ansiedlung von Nicht-Tibetern durch die chinesische Regierung behaupten muss.

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Letzte Aktualisierung: 28.03.2004