Nyingmapa

Grafik: Symbol für Buddhismus: Rad mit acht SpeichenDer Buddhismus erlangte erstmals im 8. Jahrhundert in Tibet Bedeutung, vor allem aus machtpolitischen Erwägungen der tibetischen Herrscher. In der Auseinandersetzung darüber, welcher buddhistischen Schule man die Gunst schenken sollte, wurde der buddhistische Tantriker Padmasambhava geholt. In einer Dämonenbeschwörung - bei der andere buddhistische Vertreter erfolglos blieben - soll es ihm gelungen sein, böse Geister zu Beschützern der Lehre zu verpflichten.

Padmasambhava

Padmasambhava galt zu seiner Zeit als einer der berühmtesten Tantriker und Vertreter der Siddha-Tradition. Nach ihr verfügt ein den Yoga Praktizierender über magsiche, übernatürliche Kräfte, die nach der hinduistischen Tradition Mittel zur Erkenntnis sind. Im tantrischen Buddhismus können sie Ausdruck für die erreichte Erleuchtung sein. Zurzeit seines Wirkens ließ Padmasambhava indische tantrische Texte erscheinen, begründete zugleich aber auch die Terma-Tradition. Er vergrub die Texte, da Tibet seiner Ansicht nach noch nicht reif war für die fortgeschrittenen Erkenntnisse, die sie enthielten. Zu späteren Zeiten können diese Texte ("Schatz", Terma) wieder entdeckt werden - durch Ausgraben, aber auch durch Visualisierung.
Der bekannteste Terma-Text ist das "Tibetische Totenbuch". 779 konnte Padmasambhava Samye einweihen, das erste buddhistische Kloster in Tibet. Er war Teil einer Übersetzergruppe, die tantrische Texte übertrug. Das Leben von Padmasambhava ("Der Lotosgeborene") ist von zahlreichen Legenden umwoben; unter anderem soll seine Kindheit ähnlich der des Buddha verlaufen sein. Von den Anhängern der Nyingmapa wird er als Guru Rinpoche (Höchst Kostbarer Lehrer) verehrt.

Entstehung der Nyingmapa

Die "Alte Richtung" (Nyingmapa) entstand zur Zeit der zweiten Verbreitung der Lehre ab dem 10. Jahrhundert - zwischenzeitlich hatte der Buddhismus seinen Einfluss in Tibet fast gänzlich verloren. In einer Phase, in der sich weitere Schulen ausbildeten, kam es 1040 zur ersten Terma-Entdeckung. Das verweist darauf, dass die Anhänger in dieser Zeit ihren Bezug zur ursprünglichen Tradition deutlich machen wollten. Auch wenndie Terma-Tradition anderen Schulen nicht unbekannt ist, hat sie vor allem in der Nyingmapa große Bedeutung. Ihre eigentliche Ausprägung erhielt die Nyingmapa im 13. Jahrhundert unter Guru Chosbang, der viele Terma-Texte wiederentdeckte.

Lehren

Die Schule der Nyingmapa ist im Vergleich zu anderen tibetischen Schulen weniger hierarchisch organisiert; die Anhänger lebten oft als Einzelgänger oder in kleinen Gruppen. Das Hauptkloster war lange Zeit Samye. Es wurde während der Kulturrevolution von den Chinesen völlig zerstört.
Neben dem Sondergut der Terma-Tradition sowie der Stellung einiger weiterer Tantra-Texte zeichnet sich die Nyingmapa durch eine eigene Klassifizierung der Wege zur Erleuchtung aus. Wie im tibetischen Buddhismus üblich spielen trantrische und magische Rituale eine Rolle, doch die höchste Form der Meditation wird im Dzogchen ("Große Vollkommenheit") gesehen. Die Dzogchen ist eine besondere Meditationsmethode, die auf einen Terma-Text, den "Herztropfen" zurückgeht. Dieser Text wird einem Begleiter Padmasambhavas zugeschrieben und im 12. Jahrhundert entdeckt. Danach gilt es, durch eine spontane Bewusstwerdung zu erkennen, dass der menschliche Geist selbst mit der Buddhanatur identisch ist, und zwar in seiner reinsten, ursprünglichen Form: ohne jedwede zusätzliche Eigenschaft und ohne zu Grunde liegende Realität. Gleiches gilt für alle Erscheinungen: ihnen haftet keine Realität an. Der Geist vermag, dies zu erkennen, wenn er sich von allen Täuschungen befreit hat. Den Weg dorthin lehrt die Meditation des Dzogchen. In seiner heutigen Form und Systematisierung wurde die Dzogchen im 18. Jahrhundert zusammengestellt.

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Letzte Aktualisierung: 28.03.2004