Sakyapa

Grafik: Symbol für Buddhismus: Rad mit acht SpeichenDer Begründer der Sakyapa, Könchog Gyaltsen aus der Familie der Khon, war zunächst Anhänger der Nyingmapa ("Alte Richtung"), bevor er 1073 mit der Errichtung des Klosters Sakya seine eigene Richtung ins Leben rief. Ursache war die Begegnung mit dem Übersetzer Dogmi, durch den er ein besonderes Trantra-System kennen lernte, das sich auf den indischen Siddha Virupa zurückführt.

Lehre

Das von der Sakyapa übernommene Hevajra-Tantra enthält Aussagen über die feinstofflichen Energieströme, die in der Ausübung des Tantra zur Wirkung kommen, sowie eine weitgehende Beschreibung der rituellen sexuellen Vereinigung. In dieser Vereinigung soll die Dualität in der menschlichen Wahrnehmung als Illusion erkannt und aufgehoben werden. Hevajra ist die "Zornvolle Gottheit", die Mitleid und Erkenntnis symbolisiert. Der Praktizierende soll sich in der Meditation mit dieser Gottheit identifizieren, um über Wohlwollen, Mitleid, Freude und Gleichmut zur Erkenntnis der Leerheit aller Dinge zu gelangen. Inwieweit die Beschreibungen sexueller Praktiken nur als Illusion des Praktizierenen stattfinden oder real vollzogen werden sollen, ist nicht eindeutig - auf jeden Fall stellen sie nach der Lehre ein Mittel auf dem Weg zur Erleuchtung dar, und haben keinen Wert an sich.
Das Hevajra-Tantra gehörte zu den ersten tantrischen Texten, die in eine westliche Sprache übersetzt wurden, und haben das sexualisierte Bild des Tantra mit bestimmt. Darüber hinaus ist die Sakyapa im Vergleich zu anderen Schulen weniger festgelegt. Unterschiedliche Anschauungen finden sich wieder.

Entwicklung

Die Sakyapa kennt zwar auch die Wiederverkörperung hoher Lamas, doch ist damit nicht zugleich eine Führungsrolle verbunden. Vielmehr wird die Leitung der Schule von Anbeginn an innerhalb der Familie der Khons weitergegeben - bis heute. Bedingt durch die günstige Lage des Hauptklosters Sakya erlangte die Schule materiellen Reichtum und wurde zu einem Zentrum der Gelehrsamkeit. Durch Unterwerfung unter die mongolische Invasoren des 13. Jahrhunderts erlangte die Sakyapa eine dominierende Stellung in Tibet, denn sie forderten im Gegenzug das Amt des Vizekönigs für ihren obersten Führer. Die Hegemonie der Sakyapa wurde erst mit dem Sturz der Mongolenherrschaft über China Ende des 14. Jahrhunderts beendet. Durch die Verstrickung von Religion und politischer Macht und die Anhäufung von materiellen Reichtum, die sich unter der Sakyapa steigerte, wurden verschiedene Reformbewegungen hervorgerufen. Erfolgreich Tsongkapa, aus dessen Bemühungen die Gelugpa als künftig bestimmende Schule hervorgingen.
Die Sakyapa hingegen nahm in ihrer Bedeutung immer mehr ab und ist heute die kleinste der vier Hauptschulen des tibetischen Buddhismus.

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Letzte Aktualisierung: 28.03.2004