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Grafik Seitentitel: Konflikte um Moscheebauten

Grafik: Symbol für Islam - Halbmond mit SternUm den Neubau von Moscheen gibt es immer wieder Konflikte. Die nachfolgenden Beispiele sind den Newslettern Nr. 2 bis 4 entnommen. Im Newsletter Nr. 2 gibt es weitere zusätzliche Hinweise auf hilfreiche Materialien

Köln: Verbände einigen sich über Zentralmoschee

In Köln leben rund 100.000 Muslime, das sind 10 Prozent der Bevölkerung. Darüber hinaus aber ist die Stadt Sitz von islamischen Dachverbänden, auch wenn Milli Görüs vor kurzem ein Domizil vor den Toren der Stadt bezog.
Es dürften diese Rahmenbedingungen gewesen sein, die die Stadt Köln bereits vor mehreren Jahren zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlassten: Dem Angebot, ein Grundstück für eine repräsentative Zentralmoschee zur Verfügung zu stellen. Voraussetzung müsse jedoch sein, dass diese Moschee von allen Kölner Muslimen genutzt werden könne, was konkret bedeute: an Planung und Betrieb der Moschee müssten alle islamischen Verbände beteiligt sein.
An dieser Forderung war das Projekt bislang gescheitert. Aus Kreisen der Verwaltung wurde den Muslimen unlängst bedeutet, dass bald eine Einigung hergestellt werden müsse, wenn man weiter auf die Unterstützung der Stadt setzen wolle. Anfang Oktober jedoch ist Bewegung in die Angelegenheit gekommen.
Zehn Kölner Verbände haben sich darauf verständigt, gemeinsam eine Trägergesellschaft für die in Aussicht stehende Zentralmoschee zu gründen. Gleichwohl sind nicht alle Verbände dabei. Das Problem heißt für einige - wie so oft - Milli Görüs. Für die Muslime sind es die Konflikte in der Türkei, die auch in Deutschland ausgetragen werden, denn der vom türkischen Staat kontrollierte DITIB-Verband will sich an dem Projekt nicht beteiligen. Milli Görüs steht in Verbindung zu islamistischen Verbänden und Parteien in der Türkei, die unter anderem Kritik am laizistischen, d. h. auf Kontrolle der Religion(en) durch den Staat basierenden System in der Türkei üben. DITIB als deutscher Ableger der türkischen Religionsbehörde hat deshalb verständlicherweise Probleme, mit Organisationen zusammen zu arbeiten, die in der Türkei bekämpft werden.
Allerdings scheiden sich an Milli Görüs andere Geister. Die politisch Verantwortlichen sorgen sich um eine Dominanz von Milli Görüs. Ihre Kritik wird mit Verweis auf die Beobachtung des Verbandes durch den Verfassungsschutz begründet.
Diese Sorge wird von den Muslimen nicht geteilt. Die Moschee soll offen für alle sein, gleich ob Türken, Araber, Albaner oder Bosnier. Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit werden die Ansprachen auf Deutsch gehalten, die Rezitation von Gebeten und Koran natürlich auf Arabisch.
Das für die Muslime wichtigste Problem ist nun die Standortfrage. Das von der Stadt Köln vorgeschlagene Grundstück im nördlichen Stadtteil Chorweiler liegt rund 10 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Eine repräsentative Zentralmoschee müsse sich im Zentrum der Stadt befinden, zumal dies auch unter dem Gesichtspunkt des Fremdenverkehrs sinnvoll sei, denn die neue Moschee wird Köln um eine Attraktion reicher machen.

Schlüchtern: Bürgerentscheid billigt Moscheebau

Am Sonntag, den 27. Oktober 2002, haben die Bürgerinnen und Bürger im osthessischen Schlüchtern entschieden: Die Ahmadiyya Muslim Jamaat darf im örtlichen Gewerbegebiet eine Moschee errichten. An der Abstimmung beteiligten sich 41,2 Prozent der 12.576 Wahlberechtigten. Eine eher knappe Mehrheit von 54,3 Prozent befürworteten die Pläne.
Bereits seit zwei Jahren währt der Konflikt. Ursprünglich wollten die Ahmadi-Muslime ihr für 100 Gläubige ausgelegtes Gebets- und Versammlungszentrum mit 10 Meter hohem Minarett im 1400 Einwohner zählenden Stadtteil Niederzell errichten. Hier wurde eigens ein entsprechendes Grundstück erworben. Gegen diese Absichten regte sich jedoch Widerspruch unter der einheimischen Bevölkerung, der unter anderem auch von der örtlichen CDU getragen wurde. Man befürchtete einen überregionalen Treffpunkt "fanatischer Moslems" und ging gerichtlich gegen die Bauabsicht vor. Obwohl die Moschee-Gegner unterlegen waren, wollten die Ahmadis nicht um jeden Preis an ihrer Ortswahl festhalten. Darauf hin hat die Stadt den Bebauungsplan geändert, um die Errichtung der Moschee in einem Gewerbegebiet zu ermöglichen.
Hiergegen entstanden jedoch neue Proteste, initiiert von den sog. Republikanern. Über ein Bürgerbegehren wollte man die vom Stadtparlament vorgenommene Änderung des Bebauungsplans rückgängig machen und auf diesem Weg die Moschee verhindern. Der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger wie auch der Parteien - jetzt einschließlich der CDU - schien jedoch der erzielte Kompromiss endlich eine Lösung anzubieten, zumal bei der Verhinderung des Standorts im Gewerbegebiet auch die ursprünglichen Pläne wieder hätten aktuell werden können. Außerdem galt es mittlerweile offenbar, der sich wieder aufbauenden fremdenfeindlichen Stimmung Herr zu werden, indem man die monatelange Diskussion endlich beendete.
So stimmte die Mehrheit der Bevölkerung mit "nein" - nein zur Änderung des Bebauungsplans und damit "ja" zum möglich gemachten Bau einer Moschee. Den Spitzenwert des "ja durch ein nein" erreichte der Ortsteil Niederzell: 93 Prozent wollten das neu geltende Baurecht nicht mehr ändern.

Berlin

In Kreuzberg wird eine Moschee für 250 Gläubige entstehen. Träger ist der "Islamische Verein für wohltätige Zwecke", der das Vorhaben am 9. Dezember bekannt gab. Baubeginn für die 10 Millionen Euro teure Moschee soll im Sommer 2003 sein. Das siebenstöckige Gebäude ist für 250 Gläubige ausgelegt und wird vier kleine Minarette haben. Im Erdgeschoss sind Läden und Büros vorgesehen. Die Moschee entsteht auf dem so genannten Bolle-Gründstück. Hier befand sich bis vor kurzem die Ruine eines Supermarktes, der nach Plünderungen im Gefolge von Auseinandersetzungen mit der Polizei nach der Kreuzberger 1.-Mai-Demonstration 1987 angezündet wurde.
Unterdessen hat in Berlin eine Auseinandersetzung darüber begonnen, wie der Trägerverein einzuordnen ist. Während der bündnisgrüne Baustadtrat Schulz von einer liberalen Gemeinschaft spricht, verorten ihn andere im islamistischen Spektrum. Der um die Jahreswende 1995/1996 gegründete Verein soll auf eine 1993 im Libanon gegründete Bewegung zurückgehen. Er besitze "sektenähnliche" Züge, Männer und Frauen würden streng getrennt, man arbeite gegen die Integration. Dagegen verwahrt sich der Vorstand und spricht von übler Nachrede. Man wolle islamische Werte vermitteln, grenze sich aber klar gegenüber islamistischen Vereinigungen ab. Männer und Frauen könnten die Angebote (z. B. Sprachkurse) gemeinsam besuchen und man wolle einen offenen Kontakte mit Juden und Christen. "Wir vertreten einen gemäßigten Islam", wird Vereinssprecher Ucan, ein türkischstämmiger Deutscher, in der Berliner Presse zitiert.
Die Mutmaßungen scheinen auch dadurch genährt zu werden, dass der Trägerverein in Berlin bislang kaum bekannt ist und dass - wie bei vielen Moscheebauprojekten üblich - eine Finanzierung über Spenden angestrebt wird, was Außenstehenden als unrealistisch vorkommt, so dass andere Geldquellen vermutet werden.

Darmstadt

Die Ahmadiyya-Muslim-Jamaat sieht sich neben Schlüchtern (vgl. letzten Rundbrief) auch Protesten bei ihrem Moscheeneubau in Darmstadt ausgesetzt. Dort entsteht eine neue Moschee in einem Gewerbegebiet. Die Anwohner fürchten durch den Moscheebau den Zuzug von Ausländern und steigendes Verkehrsaufkommen. Außerdem verstünde man nicht, wieso die Moschee gebaut werde, da in wenigen hundert Metern Entfernung eine Moschee eines anderen Vereins entsteht.
Ahmadiyya-Sprecher Hadayatullah Hübsch sagt, man habe die Bevölkerung nicht informieren müssen, da es sich um ein Gewerbegebiet handele - außerdem habe man Konflikte befürchtet, wenn die Moscheepläne im Vorhinein öffentlich würden. Dies wolle man in Zukunft anders handhaben.
Die Ahmadiyya-Bewegung plant nach Zeitungsberichten den Bau von 100 neuen Moscheen für ihre 40.000 Anhänger in Deutschland.
Wie schädlich eine fehlende Kommunikationsstrategie ist, die nicht bereits im Vorfeld auf Information und Aufklärung setzt, zeigen die Internetseiten von Islamgegnern, die meist unter der Adresse "www.moschee-gemeindename.de" aufrufbar sind. Konkretes Beispiel:
>> Bürgerbewegung Schlüchtern

Frankfurt a. M.

Im Frankfurter Stadtteil Rödelheim wehrt sich eine Bürgerinitiative gegen die Einrichtung eines Kulturzentrums des Türkischen Kultur- und Freizeitvereins in einer ehemaligen Bauchemie-Firma. Der Verein zählt 50 Mitglieder und will das Gebäude für Sprach- und Nachhilfekurse und Feierlichkeiten nutzen. Darüber hinaus soll ein Gebetsraum eingerichtet werden. Die Anwohner machen geltend, dass mit der Umnutzung des leer stehenden Gebäudes eine erhebliche überregionale Verkehrsbelastung verbunden sei; Parkplätze fehlten und das Wohngebiet sei für die in dem Zentrum geplanten Aktivitäten nicht ausgelegt.

Bad Salzuflen

Der Türkisch-Islamische Kulturverein in Bad Salzuflen wollte seine Moschee erweitern und dabei auch ein Kuppeldach und Minarett hinzufügen und eine Ladenzeile sowie Gästeappartments einrichten. Der Planungsausschuss der Stadt stimmte dem Vorhaben aber nicht zu, die notwendige Änderung des Bebauungsplans wird nicht vorgenommen. Gründe: Die verkehrliche Lage des Gebäudes, die fehlenden Parkplätze und die Abstimmung der Pläne mit der umgebenden Wohnbebauung.

Ahmadiyya-Moschee in Hannover soll verhindert werden

Ein weiteres Mal hat die Ahmadiyya-Muslim-Jamaat Probleme mit der Errichtung einer Moschee – diesmal in Stöcken, einem Stadtteil von Hannover. Ein Bürgerverein wehrt sich gegen die Errichtung der Moschee mit Kuppel und Minarett, die den rund 330 Mitgliedern der Gemeinschaft Raum geben soll. Nachdem die Stadtverwaltung das Vorhaben zunächst unterstützt hat, gehen die Verantwortlichen auch hier auf Distanz. Die Stadt hatte das Gelände, auf dem die Moschee errichtet werden soll, bereits vor Längerem an die Ahmadiyya verkauft und muss nun über die Baugenehmigung entscheiden. Die Bezirksbürgermeisterin fühlt sich von der Ahmadiyya nicht richtig informiert. Ursprünglich habe man von einer Moschee für 80 Gläubige gesprochen – jetzt gehe es um über 300. War anfänglich von einer "Bereicherung" für den Stadtteil die Rede, ist die Auffassung jetzt, dass der Stadtteil nicht weiter "belastet" werden dürfe, da es bereits eine andere Moschee gebe. Man will die Baugenehmigung nicht erteilen und auch den Kaufvertrag für das Grundstück rückgängig machen – dabei hatte die Stadt das Grundstück selbst vermittelt. Ausschlaggebend für den Sinneswandel dürften vor allem die Aktivitäten des Bürgervereins gewesen sein, der das Vorhaben grundsätzlich ablehnt. Man habe sich zudem mit entsprechenden Initiativen in anderen Städten in Verbindung gesetzt und eigene Recherchen angestellt. Dabei spielt – wie in anderen Konflikten auch – ein Buch der Mainzer Soziologin Hiltrud Schröder über die Ahmadiyya eine große Rolle. Die islamische Gemeinschaft sei nicht nur orthodox, sondern vielmehr antidemokratisch, antichristlich, antijüdisch und islamistisch. Dagegen konnten selbst bei den politischen Repräsentanten in Hannover anders lautende Stellungnahmen der evangelischen Kirche nichts ausrichten. Ergänzt werden die Vorbehalte laut Zeitungsberichten durch den Umstand, dass die Ahmadiyya über eine Fernsehstation mit weltweiter Ausstrahlung verfügten und vollkommen unklar sei, woher das Geld für den Kauf des Grundstücks und den Bau der Moschee stamme. Die Ahmadiyya sei "reich", ohne dass klar sei, woher das Geld stamme. Der örtliche Vorsitzende, ein seit 30 Jahren in Deutschland lebender aus Indien stammender Gläubiger mit deutscher Staatsangehörigkeit, hofft hingegen, dass der Moscheebau noch umgesetzt werden kann. Man suche noch das Gespräch mit den Anliegern. Einen Muezzinruf werde es ohnehin nicht geben – das dürfte aber bei der grundsätzlichen Ablehnung durch die vom Bürgerverein mobilisierten Anlieger ohnehin keine Rolle mehr spielen. Schließlich gibt es noch die rechtliche Ebene, auf der die Ahmadis – ähnlich wie in Schlüchtern – Recht bekommen könnten, ohne dass dadurch der Konflikt bereinigt wäre. Die Ahmadis müssen sich aber selbst fragen, warum es gerade auch bei ihren Bauvorhaben immer wieder zu Problemen kommt. Der Eindruck entsteht, dass in der notwendigen Vorbereitung, die die nichtmuslimischen Bewohner einbezieht, Unterlassungen gemacht wurden, die sich regelmäßig negativ auswirken.

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Erstellt: 06.06.2003 | Letzte Aktualisierung: 14.03.2005

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