Orthodoxes Judentum
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Orthodoxe Juden glauben an die Thora als das direkt geoffenbarte Wort Gottes. Für sie gilt die Halacha, das jüdische Religionsgesetz, als Leitlinie für ein religiöses Leben im Alltag und als Gottes Wort. Alle sechshundertdreizehn Gebote und Verbote der Thora haben den gleichen Stellenwert. Ritual- und Moralgesetze erhalten somit die gleiche Bedeutung.

Die moderne Orthodoxie entstand im 19. Jahrhundert. Damals wurde der Begriff "Orthodoxie" (Rechtgläubigkeit) vermutlich von Anhängern der Reform-Bewegung verwendet, um diejenigen Juden zu beschreiben, die trotz der Aufklärung und den einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen an ihrem Glauben und den Bräuchen unverändert festhielten. 

Das heutige orthodoxe Judentum ist weltweit aufgeteilt in verschiedene religiöse Gruppierungen, die von Neo-Orthodoxie bis zur Ultra-Orthodoxie reichen. Ein gemeinsamer Zusammenschluss in Form einer zentralen Synagogenorganisation fehlt bisher. Zudem gibt es keine gemeinsame Rabbinervereinigung und keinen Obersten Gerichtshof. Unterschiedliche Meinungen und Kontroversen zur Auslegung der Halacha können deshalb nicht einheitlich geregelt werden.

In der Vorstellung orthodoxer Juden spielt der Gedanke, das auserwählte Volk zu sein, eine besondere Rolle. Israel wird als "das Heilige Land" verehrt. Ultra-orthodoxe Juden betrachten Israel als politische Einheit sehr kritisch, da für sie säkulare, nicht religiöse Juden kein Recht haben, einen jüdischen Staat zu errichten. Fast alle orthodoxen Juden hoffen gemeinsam, dass der moderne Staat Israel nach den Grundsätzen der Thora regiert werde und die Halacha die Richtlinien für ein staatliches Handeln biete. 
Innerhalb der jüdischen Gemeinschaft betrachten sich die orthodoxen Juden selbst als die einzig wahren Juden. Sie sind der Ansicht, anderer jüdische Strömungen mißachten die Gebote Gottes und verletzen die Thora. 

In der religiösen Praxis bildet die Befolgung der sechshundertdreizehn Gebote der Bibel die Grundlage des Lebens. Frauen sind den Männern untergestellt, im Gottesdienst spielen sie so gut wie keine Rolle. In der Synagoge sitzen Männer und Frauen getrennt. Eine Frau kann nicht zur Rabbinerin ordiniert werden. Nur der Ehemann kann bei gescheiterter Ehe die Scheidung herbeiführen. Eine Mischehe mit nichtjüdischen Partner wird als sündhaft abgelehnt. Die Feiertage werden umfassend eingehalten und während des Gottesdienstes fast ausschließlich hebräisch gesprochen. Ein orthodoxer Jude darf nur koscheres Essen zu sich nehmen. 

Erstellt: 29.10.03

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